Lesezirkel zum Buch "Grosse Liebe" von Navid Kermani

Der Lesezirkel des Philosophicum geht ins dritte Jahr. Es hat sich bewährt, den Texten viel Zeit und der Lektüre eine gemeinsame Stimme zu schenken. Aber es ist jetzt auch Gelegenheit, diese Begegnung neu auszuschöpfen. Die schon aufgeschlagenen Seiten wenden wir: Das Gelesene kehrt neu in anderen Texten wieder; das Wissen bleibt, aber verändert sich mit jeder Ausfaltung. Diesen Herbst lesen wir mit der Zeit-/Geschichte – das aktuelle Weltgeschehen würde es uns sonst kaum verzeihen. Es ist an der Zeit, unbekannte Momente und fremde Dauerzustände durch die Literatur kennenzulernen. Wie schreibt die ukrainische Autorin Oksana Sabuschko in «Planet Wermut»: Die Dichter ahnen oft die Geschichte voraus, aber sie werden nicht erhört. Mit Navid Kermanis neuestem Buch «Grosse Liebe» gehen wir einigen wesentlichen, also wiederkehrenden Drehpunkten der Menschheitsgeschichte nach. Fast könnte man von der Seele der Geschichte sprechen, da sie – auch als geschriebenes Konstrukt – ein Werden bedeutet und im Text lebendig wird. Die Seele der Geschichte kann Liebe sein oder, wie Kermani mit demselben Atemzug schreibt: Glaube oder Mystik. Daher verwundert es nicht, dass das Buch mit hundert Seiten «Grosse» und nicht «Erste Liebe» heisst. Gross ist sie, weil sie Erinnerung bildet und löscht, Wahrnehmung schärft und überblendet, weil sie uns werden lässt in der «Entwerdung». Navid Kermani: Grosse Liebe. Hanser, 2014. Das Buch kann direkt im Lesekreis bezogen werden.

Schnupperbesucherinnen und Schnupperbesucher sind im Lesezirkel jederzeit herzlich willkommen.

Termine: 3. 11., 17. 11., 1. 12., 15. 12. 2014.

 

Leitung: Judith Schifferle

Kosten für alle Termine bis Dezember: CHF 100.– /65.–.

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